Vor einiger Zeit sprachen wir mit Jared Muralt über seinen Comic THE FALL, der zu Pandemiezeiten erschienen ist und sehr realistisch von einer Pandemie erzählte.

Comicecke: Erzähl bitte ein bisschen über dich.

Jared Muralt: Seit ich Bilder wahrnehmen konnte, war ich von Comics fasziniert, habe die Bibliothek meiner Mutter durchstöbert und Comics gefunden. Auf dem Flohmarkt war ich Feuer und Flamme, wenn ich welche gesehen und dann auch gekauft habe. Natürlich habe ich auch versucht, selbst welche zu zeichnen.

CE: War Hellship dann deine erste Arbeit – die zeichnet sich ja schon durch einen unglaublich guten Stil aus.

JM: Ich habe ja nicht als Comic-Zeichner angefangen, sondern eine Ausbildung als Interior-Designer gemacht. Da musste ich sehr viel Innenarchitektur zeichnen. Während dieser Ausbildung habe ich angefangen, das anatomische Zeichnen des menschlichen Körpers zu üben und die Theorie des Zeichnens zu lernen. Irgendwann bin ich dann in die Selbstständigkeit hineingerutscht und arbeite seit 2006 als freischaffender Illustrator. Comics wollte ich schon immer machen, aber da der von mir gewünschte Stil sehr aufwendig ist, habe ich mich immer davor gedrückt. Mit Hellship habe ich dann angefangen – und das hat sieben Jahre gedauert. Weil ich ja auch Geld verdienen und andere Illustrationsaufträge annehmen musste. In der Zeit entwickelte sich mein Stil. Natürlich habe ich große Vorbilder wie Moebius oder Windsor McCay – es gibt unendlich viele Künstler, die ich bewundere und deren Arbeiten ich studiert habe. Als Comic-Zeichner habe ich aber keine Ausbildung bekommen, sondern mir das alles selbst beigebracht. Wenn man versucht, den Stil der Meister nachzuahmen, dann ist es die Aufgabe des Schülers, erst die großen Werke zu kopieren, um zu verstehen, wie sie funktionieren. Bei Hellship ist Moebius‘ Einfluss noch sehr stark, bei The Fall habe ich mich dann emanzipiert und meinen eigenen Stil gefunden.

Dabei merke ich auch, dass das Zeichnen gar nicht mehr die ganz große Rolle spielt, sondern die Story, denn sie gebietet die visuelle Umsetzung.

CE: Hast du darüber nachgedacht, mit einem Autor zusammenzuarbeiten oder wolltest du immer deine eigene Geschichte erzählen?

JM: Ich wollte schon meine eigene Geschichte machen, weil es mich auch fasziniert, diese Symbiose aus Text und Bild zu erschaffen. Man erschafft seine ganz eigene Welt. Das war für mich ein immenser Anreiz. Ich wollte mein Kopfkino auf Papier bringen. Meine eigenen Sachen zu machen, stand darum für mich auch im Vordergrund. Jüngst habe ich aber eine Anfrage bekommen, ob ich eine 30-40 seitige Kurzgeschichte illustrieren möchte. Eigentlich ist es eine Biographie der realen Welt und erzählt vom Leben in einem Kriegsgebiet. Mich faszinieren Geschichten, die außerhalb des gewohnten Umfelds stattfinden. Darum habe ich zugesagt, die Geschichte visuell umzusetzen. Das ist für mich dann auch etwas Neues, dem ich nicht widerstehen konnte, weil das Thema so packend ist.

CE: Was ist dann für dich die größere Herausforderung, die Story zu entwickeln oder sie graphisch umzusetzen?

JM: Da ist eine gute Frage. Schwerer fällt mir eigentlich das Zeichnen, weil das dann wirklich Arbeit ist. Bei der Story ist es so, dass sie von selbst kommt. Nach fertiger Recherche und dem Kreisenlassen meiner Gedanken kommt dann einfach die Szene, die ich als nächstes brauche. Ich muss mir das nicht aktiv ausdenken, es passiert einfach. Die Figuren reagieren dann auf das, was passiert. Für mich ist es fast so, als würde ich selbst dem Verlauf der Geschichte zuschauen. Das ist nicht immer so, aber immer öfters. Das Zeichnen ist dann doch Arbeit – für eine Seite brauche ich etwa vier Tage und das ist dann schon etwas ermüdend.

Von Peter

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