Neu von Jared Muralt ist sein Sci-Fi-Comic BUGLANDS: DIE SCHWARZE WESPE. Hier geht es aber noch um seine imposante Geschichte THE FALL.
CE: Deine Geschichte wurde ja von der Wirklichkeit eingeholt – von einer ähnlichen Pandemie. Das Einzige, was du nicht vorhergesehen hast, ist das Hamstern des Klopapiers.
JM: Ja, darauf sollte ich noch eingehen. Vielleicht, wenn einer mal auf die Toilette muss und meint, dass es schon lange kein Klopapier mehr gibt. Irgendeine Art von Anspielung darauf möchte ich schon noch reinbringen. (lacht)
CE: Wie war es dann für dich, als die Pandemie real wurde?
JM: Das ist schon ein surreales Gefühl gewesen. Als ich das geschrieben habe, bin ich immer zu Fuß ins Atelier gegangen. Dabei habe ich den Soundtrack von Fargo gehört, der recht sphärische Klänge hat. Ich habe mir da immer vorgestellt, dass ich da ganz alleine durch die Straßen laufe, um in diese Geschichte von The Fall hineinzukommen. Und dann war es schon ziemlich creepy, als die Straßen wirklich leer waren, und ich im Supermarkt vor leeren Regalen stand. Das hat mir schon ein bisschen Angst gemacht, vor allem nach den ersten Fällen in Italien. Da war mir dann klar, dass die Pandemie bald auch hier sein würde.
CE: Es gibt The Fall sowohl als Hefte als auch als Album mit dem Inhalt von je drei Heften. Wieso?
JM: Geschrieben hatte ich das erste Album im Jahr 2016 und habe dann zwei Jahre gebraucht, um die 64 Seiten zu machen. Der zweite Band hat 88 Seiten und dauerte etwa gleich lang, weil ich etwas schneller geworden bin. Aber es dauert natürlich lange, bis der nächste Band kommt. Darum kam die Überlegung, das in drei Kapitel zu splitten und als Heft anzubieten, so dass die Leser nicht immer zwei Jahre warten müssen, um die Fortsetzung lesen zu können. Zudem mag ich dieses Heft-Format, das ist so schön klassisch. Es wirkt weniger seriös und das mag ich total gern. Über Patreon kann man diese Hefte auch abonnieren und erhält noch eine Zweitausgabe, die nur die Bleistiftzeichnungen zeigt. Das Format hat mich auch inspiriert. Ich habe die Idee, zwei parallele Geschichten zu erzählen, und das in zwei Heften. Ein Kapitel wird quasi in zwei Teile unterteilt, jedes Heft deckt dabei das Erlebnis einer Figur ab, und beide zusammen ergeben die ganze Geschichte. Das ist bei Heften deutlich besser umzusetzen als bei einem Album.
CE: Weißt du schon, wie und wann die Geschichte enden wird?
JM: Ja, das weiß ich. Geplant habe ich sechs Bände mit insgesamt 18 Kapiteln. Das Frühjahr habe ich damit verbracht, die ganze restliche Serie zu schreiben. Ich wusste von Anfang an, wohin die Geschichte führt, habe mir aber die Freiheit gelassen, herauszufinden, wie die Figuren zu diesem Ende kommen.
CE: Acht Kapitel gibt es bisher – was denkst du, wie lange dauert es, bis The Fall komplett ist?
JM: Der dritte Band mit den Kapiteln 7 bis 9 erscheint im Herbst. Es wird also noch mindestens sechs Jahre dauern, denn zwei Jahre brauche ich mindestens für eine Band. Da die Kurzgeschichte jetzt dazwischenkommt, könnten es aber auch sieben Jahre werden.
CE: Hast du die Serie an Verlage ins Ausland verkauft?
JM: Ja, ich habe einen französischen Verleger. Da erschien der erste Band eine Woche vor dem Lockdown. Da waren zwar die Comic-Shops dann geschlossen, des Inhalts wegen hat sich The Fall aber dennoch super verkauft. In den USA verlegt Image Comics The Fall, aber nicht als Einzelhefte, sondern immer zwei Bände als Graphic Novel. Auch in den Niederlanden wird der Comic veröffentlicht. Und auch eine italienische Edition ist geplant. Auf Deutsch verlege ich selbst mit meinem hauseigenen Verlag Tintenkilby. Es gab zwar deutsche Verlage, die sich dafür interessierten, aber ich möchte die Serie nicht aus der Hand geben, zumal ich durch die Selbstpublikation mehr verdiene.